Das französische Sozialversicherungssystem III - Zweig „Alter“

2016

In Frankreich werden die Grundrenten durch Zusatzpflichtrentenversicherungen ergänzt, die wie die Grundrente auf dem Grundsatz der Umlage beruhen. Es handelt sich dabei um die Anstalten ARRCO für Arbeitnehmer und AGIRC für leitende Angestellte.

A. Grundrente

Grundrenten werden von folgendenen Stellen anerkannt:

  • den (regionalen) Renten- und Arbeitsgesundheitskassen (caisses régionales d'assurance retraite et de santé au travail (CARSAT)
  • die für den Grossraum Paris zuständigen Alterskasse Ile de France (caisse nationale d'assurance vieillesse d'Ile de France)
  • von den allgemeinen Sozialversicherungskassen (der Überseedepartements)
  • der Sozialversicherungskasse in Mayotte

Das Gesetz zur Rentenreform von 2010 sieht vor, das gesetzliche Ruhestandsalter für die Jahrgänge ab 1. Juli 1951 zu erhöhen. Die Erhöhung wurde später durch das Gesetz zur Finanzierung der Sozialversicherung im Jahr 2012 beschleunigt. Das Ruhestandalter ist auf 62 Jahre erhöht worden, das betrifft alle Jahrgänge ab 1955. Außerdem wird das Alter, ab welchem automatisch Rente zum vollen Satz erteilt wird, für die Jahrgänge ab 1. Januar 1955 stufenweise auf 67 Jahre (gesetzliches Ruhestandsalter plus 5 Jahre) erhöht.

Bei schwerer Behinderung, langer Berufslaufbahn und schweren Tätigkeiten besteht die Möglichkeit vorzeitig in den Ruhestand zu gehen.

1 – Anrechte des Versicherten

Das gesetzliche Alter zur Einlösung der Rente ist für die Jahrgänge ab 1. Juli 1955 auf 62 Jahre festgelegt. Das gesetzliche Alter zur Einlösung der Rente beträgt dahingegen 60 Jahre für diejenigen, die vor dem 1. Juli 1951 geboren sind, steigt dann für die zwischen dem 1. Juli 1951 und dem 31. Dezember 1951 geborenen um 4 Monate, und für die danach geborenen um 5 Monate pro Jahr.

Der Betroffene ist jedoch nicht verpflichtet, seinen Antrag zu stellen, sobald er das gesetzliche Ruhestandsalter erreicht hat, sondern kann dies auch später tun.

Versicherte, die über das gesetzliche Ruhestandsalter und über die Versicherungszeit, die zur Erlangung der Rente vollen Satzes in Abhängigkeit vom Geburtsjahrgangs des Versicherten vorgeschrieben ist, hinaus weiterarbeiten, erhöhen ihre Rente.

a) Berechnung der Rente

Der Betrag der Rente hängt von drei Elementen ab:

  • Durchschnittsjahresentgelt. Es berechnet sich aus den (dynamisierten) Arbeitsentgelten, auf die Beiträge geleistet wurden. Seit dem 01. Januar 2008, werden bei allen Versicherten, die 1947 geboren sind, die 25 besten Jahre im beruflichen Lebenslauf in Betracht gezogen.
  • Rentensatz. Der Höchstsatz von 50% wird durch einen Minderungskoeffizienten verringert, dessen Höhe von der Anzahl der Semester abhängt, die unter Berücksichtigung der Versicherungsdauer und des Alters zum Erhalt des vollen Satzes fehlen, wobei von letzeren beiden Kriterien das für den Versicherten günstigere gewählt wird. Der Satz beträgt für Versicherte, die 1953 und später geboren sind jedoch mindestens 37,5%.
  • Versicherungsdauer. Der Satz der Rente, der zwischen dem gesetzlichen Ruhestandsalter und dem Alter der automatischen Erteilung der Rente zum vollen Satz Anwendung findet (zwischen 62 und 67 Jahren für Versicherte der Jahrgänge ab dem 1. Januar 1955), ergibt sich aus der Dauer der Versicherungszeiten und anderer berücksichtigter Zeiträume.
    Der volle Satz von 50 % kann durch die Versicherungsdauer(zwischen 160 und 172 Quartalen je nach Geburtsjahrgang), das Alter (67 Jahre für die Versicherten der Jahrgänge ab 1955) oder die Zugehörigkeit zu bestimmten Kategorien (Arbeitsunfähige, Kriegsveteranen und Kriegsgefangene und Arbeiterinnen, die mehr als drei Kinder aufgezogen haben) erzielt werden.
    Zur Berechnung des Rentensatzes werden die Zeiträume berücksichtigt, in denen Beiträge in die verschiedenen auf dem französischen Staatsgebiet anerkannten Versicherungsanstalten eingezahlt wurden (Artikel L 351-1 des französischen Sozialversicherungsgesetzes), sowie als gleichwertig angesehene Zeiträume: Dabei handelt es sich um Zeiten der Arbeitsunterbrechung wegen Krankheit, Mutterschaft, Invalidität, Arbeitsunfall, Wehrdienst, Arbeitslosigkeit usw.
    Die Versicherungsdauer erhöht sich bei Frauen um bis zu 8 Quartale pro Kind (4 aufgrund der Mutterschaft oder der Adoption, 4 aufgrund der Erziehung des Kindes). Was die ab dem 1. Januar 2010 geborenen Kinder anbetrifft, wird diese Erhöhung zum Ausgleich der Auswirkungen der Erziehung des Kindes in den vier ersten Jahren nach seiner Geburt bzw. Adoption auf die Berufslaufbahn zwischen Vater und Mutter nach deren freiem Einvernehmen aufgeteilt. Dem Vater wird gegebenenfalls darüber hinaus ohne Gegenleistung die effektive Dauer eines Erziehungsurlaubs anerkannt. Wurde ein schwer behindertes Kind mit Anrecht auf Behindertenerziehungsbeihilfe großgezogen, kann die Versicherungsdauer um bis zu 8 Quartale erhöht werden.
  • Tätigkeitsperioden im Ausland in Ländern zwischen denen und Frankreich Sozialversicherungsabkommen bestehen, können unter gewissen Bedingungen bei der Bestimmung des Rentensatzes berücksichtigt werden.
  • Im Rahmen des französischen Rechts werden außerdem, Tätigkeitsperioden im Ausland, die vor dem 1. April 1983 liegen und für die Versicherungszeiten nachgekauft werden können oder könnten, bei der Berechnung des Rentensatzes ab dem gesetzlichen Ruhestandsalter als gleichwertige Versicherungszeiten berücksichtigt (Artikel R. 351-4 des fr. Sozialversicherungsgesetzes).
  • Versicherungsdauer
    Unter der Versicherungsdauer versteht man die tatsächliche Dauer der Versicherung (einschließlich der als gleichwertig anerkannten Zeiträume) im jeweiligen Versicherungssystem. Im Laufe verschiedener Reformen ist die für eine Vollrente nötige Versicherungsdauer, schrittweise erhöht worden, was zu folgendem Ergebnis führt:
    • 150 Quartale für Versicherte, die 1943 oder früher geboren sind
    • 160 Quartale für Versicherte, die 1948 oder früher geboren sind
    • Für die darauffolgenden Jahrgänge steigt die Anzahl der Quartale. auf 165 für die Jahrgänge 1953 und 1954 und auf 166 für die Jahrgänge 1955, 1956 und 157. Die nötige Versicherungsdauer wird für jeweils 3 aufeinanderfolgende Jahrgänge um ein weiteres Quartal erhöht bis zu einer Gesamtzahl von 172 Quartalen für die Jahrgänge ab 1973.

Für einen 1952 geborenen Versicherten erfolgt die Berechnung somit folgendermaßen: Grundentgelt X Satz X Versicherungsdauer im allgemeinen System / 164.

Vorgezogener Ruhestand

Es besteht die Möglichkeit, vor dem gesetzlichen Ruhestandsalter ohne Abschläge in Rente zu gehen. Es handelt sich um folgende Renten:

  • Rente aufgrund einer besonders beschwerlichen Tätigkeit: es besteht die Möglichkeit die Rente bis zu zwei Jahre vor dem gesetzlichen Rentenalter in Anspruch zu nehmen, das heißt mit 60 anstatt mit 62 Jahren. So können dem Versicherten, welcher aufgrund von Risikofaktoren denen er auf eine bestimmte Zeit ausgesetzt war über Sonderpunkte verfügt, 8 Quartale Versicherungszeiten angerechnet werden. Das Konto für beschwerliche Arbeitstätigkeiten kann ab dem 1. Januar eröffnet werden für Beschäftigte die bestimmten Faktoren ausgesetzt sind, 2016 kommen weitere Risikofaktoren hinzu. Weitere Informationen zum Konto "beschwerliche Arbeitstätigkeiten" : www.preventionpenibilite.fr
  • Eine Rente aufgrund einer langen Versicherungsdauer kann derjenige Versicherte ab dem 60. Lebensjahr erhalten, der eine Mindestversicherungsdauer sowie Mindestversicherungsbeiträge nachweisen kann und sehr früh ins Berufsleben eingetreten ist. Die nötige Versicherungsdauer hängt vom Geburtsjahr, vom Renteneintrittsalter und vom Alter beim Eintritt in's Berufsleben ab.
  • Eine Rente aufgrund einer Schwerbehinderung kann derjenige Versicherte zwischen dem 55. und 59. Lebensjahr in Anspruch nehmen, dem eine dauerhafte Schwerbehinderung von mindestens 50 % oder dessen Schwerbehinderung vor dem 31. Dezember 2015 anerkannt wurde, der eine bestimmte Versicherungsdauer als Schwerbehinderter nachweisen kann (davon muss eine Mindestdauer mit Versicherungsbeiträgen aufgrund einer Erwerbstätigkeit belegt sein). Die Bestimmungen zur Versicherungsdauer richten sich nach dem Geburtsjahrgang und dem gewünschten Rentenbeginn.

Rente zu verringertem Satz

Bei Personen, die ihre Altersrente in Anspruch nehmen möchten, obgleich sie noch nicht die nötige Versicherungsdauer erreicht haben um einer Vollrente zu erhalten, verringert sich der Rentensatz. Der Verringerungsfaktor richtet sich nach der Anzahl der fehlenden Quartale und dem Geburtsjahrgang des Versicherten: 1,625 % für den Jahrgang 1950, 1,5% für den Jahrgang 1951, 1,375 für den Jahrgang 1952 und 1,25 für diejenigen, die ab 1953 geboren sind.

Erhöhung der Grundrente

Die Versicherten, die die angesichts ihres Jahrgangs für die Rente zum vollen Satz nötige Versicherungszeit erreicht haben und nach Erreichen des gesetzlichen Ruhestandsalters (zwischen 60 und 62 Jahren je nach Jahrgang) noch erwerbstätig sind, erhalten eine erhöhte Rente. Diese Regelung wird ab dem 1. Januar 2004 angewandt mit unterschiedlichen Sätzen je nach dem Zeitpunkt, zu dem die Versicherungszeit erreicht ist. Ab dem 1. Januar 2009 beträgt der Aufschlag 1,25% pro zusätzlich gearbeitetes Quartal.

Berufslaufbahnzuschlag

Versicherte, die zum Zeitpunkt, zu dem sie, egal wie lang ihre Versicherungsdauer ist, Anrecht auf Rente zu vollem Satz haben (zwischen 65 und 67 Jahre), aber in allen Altersgrundrentenversicherungen zusammen nicht über die auf ihren Jahrgang anwendbare nötige Versicherungsdauer verfügen, erhalten, wenn sie nach diesem Zeitpunkt weiterarbeiten, einen Aufschlag auf die Versicherungszeit von 2,5 % pro zusätzliches Quartal, in dem sie über das Alter, zu welchem sie Anrecht auf den vollen Satz haben zahlen, weiterhin Beiträge zahlen.

b) Erhöhung des Rentenbetrags

Es gibt verschiedene Rentenaufschläge:

Kinderaufschlag

Versicherte, die 3 Kinder vor deren 16. Geburtstag jeweils mindestens 9 Jahre lang aufgezogen haben, erhalten einen Aufschlag von 10 % auf ihre Rente. Diesen Aufschlag erhalten beide Elternteile mit Altersrente.

Aufschlag für unterhaltsbedürftige Ehepartner

Der Aufschlag für unterhaltsbedürftige Ehepartner wird seit dem 1. Januar 2011 nicht mehr gewährt. Versicherte, denen er vor dem 31. 12. 2010 zukam, erhalten ihn weiter solange sie die Anspruchsvoraussetzungen erfüllen. Er beträgt jährlich 609,80 €.

Zusatzleistung wegen Benötigung der Hilfe einer dritten Person

Die Zusatzleistung wegen Benötigung der Hilfe einer dritten Person steht Personen zu, deren Altersrente eine zuvor bestehende Invaliditätsrente ersetzt, sowie Personen, die eine Altersrente wegen Arbeitsunfähigkeit bzw. eine Altersrente, die nachträglich zu einer Arbeitsunfähigkeitsaltersrente umgewandelt wurde, beziehen, und die die Voraussetzung für den Aufschlag vor dem Alter des Zeitpunkts, zu dem sie, Anrecht auf Rente zu vollem Satz haben erfüllen (d.h. je nach Jahrgang zwischen dem 65. und 67. Lebensjahr). Um diese Leistung in Anspruch nehmen zu können, musss die Hilfe einer dritten Person bei der Bewältigung der Aufgaben des täglichen Lebens als für nötig erachtet werden. Seit dem 1. April 2014, liegt der Jahresbetrag bei 13.236,98 €.

c) Mindest- und Höchstsätze der Rente

  • Solidaritätsleistung für Alte Personen (ASPA): eine vom Einkommen abhängige anerkannte Differenzleistung, anhand welcher das Einkommen einer Einzelperson bis zu 800 € pro Monat aufgestockt werden kann.
  • Das Beitragsminimum erhalten Versicherte, die Beiträge von geringen Entgelten geleistet haben und die Voraussetzungen für eine Vollrente erfüllen. Die Höhe des Beitragsminimums ist auf 7.555,54 € pro Jahr oder 629,63 € pro Monat festgesetzt. Weitere Zuschläge aufgrund einer langen Versicherungsdauer oder anderer Faktoren können hinzukommen. Das Beitragsminimum kann jedoch nicht den Gesamtbetrag aller eigenen Renten (Grund- und Zusatzrenten) um einen bestimmten Betrag (1.135,73 €) übersteigen.

Die Höhe der Grundrenten darf 50% der Sozialversicherungsobergrenze nicht übersteigen (1.609 € pro Monat im Jahr 2016).

2 - Anrechte der Hinterbliebenen

Hinterbliebenenrente und Witwer- bzw. Witwenbeihilfe werden von folgenden Stellen anerkannt :

  • den (regionalen) Renten- und Arbeitsgesundheitskassen (caisses régionales d'assurance retraite et de santé au travail (CARSAT)
  • die für den Grossraum Paris zuständige Alterskasse Ile de France (caisse nationale d'assurance vieillesse d'Ile de France)
  • von den allgemeinen Sozialversicherungskassen (der Überseedepartements)
  • der Sozialversicherungskasse in Mayotte

Die Rentenreform von 2004 sah vor, einerseits die Witwen- bzw. Witwerbeihilfe schrittweise abzuschaffen und anderseits die Hinterbliebenenrente ohne Bedingungen bezüglich der Ehedauer und ab 2011 ohne Bedingungen bezüglich des Alters zu gewähren. Das Gesetz zur Finanzierung der Sozialversicherung von 2009 macht letztere Bestimmung rückgängig und führt wieder eine Altersbedingung (55 Jahre) ein. Das Rentenreformgesetz Nr. 2010-1330 vom 9. November 2010 hat daraufhin die Witwen- bzw. Witwerbeihilfe wieder eingeführt.

a) Hinterbliebenenrente des überlebenden Ehepartners

Die Zuteilung der Hinterbliebenenrente an den überlebenden Ehepartner oder den/der geschiedenen überlebenden Ehepartner erfolgt nicht automatisch. Sie ist an gewisse Bedingungen geknüpft (Einkommen und Alter).

Anrecht auf Hinterbliebenenrente haben Ehepartner sowie geschiedene Ehepartner, die mindestens 55 Jahre alt sind und deren Einkommen einen bestimmten Grenzbetrag nicht übersteigen. Die anzurechnenden Einkünfte sind die persönlichen Einkünfte sowie die Einkünfte des neuen Haushalts im Falle der Wiederheirat, eines Solidaritätspakts oder einer eheähnlichen Gemeinschaft. Wenn der Tod vor dem 1. Januar 2009 eingetreten ist, besteht Anrecht auf Hinterbliebenenrente ab 51 Jahren.

Der Betrag der Hinterbliebenenrente darf nicht mehr als 54 % der Rente betragen, die der Verstorbene bezog oder hätte beziehen können. War der verstorbene Ehepartner mehrmals verheiratet, wird die Hinterbliebenenrente zwischen den überlebenden Ehepartnern, nach Ehejahren proratisiert, aufgeteilt.

Es kann ein Aufschlag von monatlich 96,30 € gewährt werden, wenn der überlebende Ehegatte für den Unterhalt mindestens eines Kindes unter 16 Jahren zu sorgen hat.

Der Betrag der Rente erhöht sich außerdem um 10 %, wenn der Rentenempfänger in seinem Leben mindestens 3 Kinder aufgezogen hat.

Hat ein Rentenempfänger einen Antrag auf Ruhestandsrente gestellt und das Alter des Anrechts auf den vollen Satz erreicht, kann er einen Aufschlag von 11,1% des Betrags seiner Hinterbliebenenrente erhalten, wenn der Gesamtbetrag seiner Renten einen gewissen Höchstbetrag nicht übersteigt (853,25 € pro Monat).

b) Witwen- bzw. Witwerbeihilfe

Die Witwen- bzw. Witwerbeihilfe wird dem überlebendem Ehepartner eines verstorbenen Versicherten unter gewissen Bedingungen vorübergehend gewährt, um ihm die Eingliederung bzw. Wiedereingliederung ins Erwerbsleben zu ermöglichen. Sie wird zeitweilig all denjenigen gewährt, die mindestens 55 Jahre alt sind und nicht die für die Hinterbliebenenrenten geltende Altersbedingung erfüllen und deren Einkommen nicht einen gewissen Betrag (2.260,27 € pro Quartal) übersteigen. Die Beihilfe beträgt 602,73 € monatlich.

Hinterbliebene haben nur dann Anrecht auf Witwen- bzw. Witwerbeihilfe, wenn der verstorbene Versicherte im Vorjahr seines Todes für mindestens 3 Monate (aufeinanderfolgend oder auch nicht) Beiträge geleistet hat.

Weitere Information finden sich auf der Webseite der Altersversicherung.

c) Waisen

Die Grundrente des allgemeinen Systems sieht die Waisenrente nicht vor. Im Rahmen der Zusatzrentenversicherung oder einer Altersrente aus einem Sondersystem kann jedoch ein Anpruch auf diese Leistungsart bestehen.

B – Zusatzrenten-Pflichtversicherungen

Die Zusatzrenten der Arbeitnehmer werden von Zusatzrentenanstalten und deren Verbänden verwaltet.

Alle Arbeitnehmer, die in den Altersversicherungen des Allgemeinen Sozialversicherungssystems, der Sozialversicherung auf Gegenseitigkeit der Landwirtschaft oder der Knappschaftsversicherung versicherungspflichtig sind, müssen auch zusatzrentenversichert sein. Für die Arbeitnehmer der Freien Wirtschaft wird die Zusatzrentenversicherung von zwei Zusatzrentenversicherungsverbänden verwaltet: ARRCO (Verband der Zusatzrentenversicherungen der Arbeitnehmer), die für alle Arbeitnehmer (leitende Angestellte und sonstige Arbeitnehmer) zuständig ist, und AGIRC (Hauptverband der Rentenanstalten für leitende Angestellte), die nur für leitende Angestellte zuständig ist.

Die Renten der Zusatzversicherungen werden aufgrund von Rentenpunkten berechnet. Jährlich werden die aufgrund der Entgelt- und Einkommenshöhe geleisteten Beitragszahlungen in Rentenpunkte umgerechnet und zwar auf Grundlage des im jeweiligen Jahr geltenden Werts des einzelnen Rentenpunkts. Der Betrag der Zusatzrente hängt von der Anzahl der Rentenpunkte, die der Arbeitnehmer im seinem ganzen Arbeitsleben angehäuft hat, und dem Alter zum Zeitpunkt des Eintritts in den Ruhestand ab. Zur Berechnung des Rentenbetrags muss einfach nur die Anzahl der Punkte mit dem Wert des einzelnen Punkts zum Zeitpunkt der Rentenfeststellung multipliziert werden. Damit ist die Höhe der Zusatzrente vom gesamten Arbeitsleben abhängig und nicht nur von den 25 besten Jahren wie bei der Grundrente.

Arbeitnehmer, die nicht leitende Angestellte sind, leisten Abgaben auf ihr Entgelt bis zur dreifachen Bemessungsgrenze der Sozialversicherung. Sie leisten diese Abgaben an den Verband ARRCO. Leitende Angestellte leisten ihre Abgaben bis zur Höhe der Bemessungsgrenze der Sozialversicherung ebenfalls an den Verband ARRCO; für den Anteil des Entgeltes, der darüber hinausgeht und bis zum achtfachen der Bemessungsgrenze zahlen sie Abgaben an den Verband AGIRC.

Der Beitragssatz entspricht dem Satz zu welchem Entgeltpunkte erworben werden multipliziert mit 125%. Die Differenz zwischen den beiden Sätzen wird zur Finanzierung der Rentensysteme herangezogen.

Alter

Das normale Rentenalter ist in beiden Systemen auf 65 bis 67 Jahre festgelegt in Abhängigkeit vom Geburtsjahrgang. Es ist jedoch möglich, vorzeitig in den Ruhestand zu treten (zwischen 55 und 57 Jahre in Abhängigkeit vom Geburtsjahrgang), wobei sich die Rente allerdings um einen gewissen Faktor verringert.

Wenn der Betroffene jedoch seine Grundrente zum vollen Satz erhält, kann er auch die Zusatzrente ohne Verringerungsfaktor beziehen.

Betrag

Rentenpunkte werden nicht nur durch Beitragszahlung erworben. Sie werden auch für gewisse Zeiträume zugeteilt, ohne dass Beiträge geleistet worden wären. Es handelt sich dabei um Anstellungen vor der Einführung des Zusatzrentensystems sowie um Zeiten der Arbeitsunfähigkeit von einer Dauer von mehr als 60 Tagen, die nicht unterbrochen wurden, für welche der Betroffene Tagesgeld aus der Kranken- bzw. Mutterschaftsversicherung oder Unfallversicherung erhalten hat. Das gleiche gilt auch für Invaliditätsrentenempfang. Auch für Zeiten des Arbeitslosengeldbezugs werden Rentenpunkte gewährt.

Der Jahrespunktwert beträgt am 1. April 2015.

  • ARRCO: 1,2513 €
  • AGIRC: 0,4352 €

Hat oder hatte der Betroffene Kinder, erhöht sich die Zusatzrente unter gewissen Voraussetzungen:

  • ARRCO und AGIRC: Erhöhung um 5 % für jedes noch zu versorgende Kind bis 18 Jahren bzw. bis 25 Jahren, wenn das Kind Student, Lehrling oder Arbeitsuchender ist.
  • Aufschlag für drei oder mehr aufgezogene Kinder: 10% der Rente für den Anteil der der nach 2011 durchlaufenen Berufslaufbahn. Der Anteil des Aufschlages der vor 2011 liegenden Berufslaufbahn hängt vom Versicherungsträger ab. Die Obergrenze der Aufschläge der Zusatzrentenkasse ARRCO beträgt 1.031,15 € pro Jahr , die der Zusatzrentenkasse AGIRC (Stand 1. April 2015) beträgt 1.028, 12 €. Keine Obergrenze für den vor dem 2. August 1951 Versicherten.

Hinterbliebene

Es gibt in beiden Systemen Renten für Witwen, Witwer und Waisen.

Überlebende Ehepartner

Der Ehepartner (bzw. Ehepartnerin) oder geschiedene, nicht wiederverheiratete Ehepartner (bzw. Ehepartnerin) des (der) Verstorbenen bezieht eine Hinterbliebenenrente:

  • in beiden Systemen ohne Altersbedingung, wenn er zum Zeitpunkt des Todes zwei unterhaltsberechtigte Kinder unter 21 Jahren (AGIRC) bzw. unter 25 Jahren (ARRCO) hat oder invalid ist
  • ab 55 Jahren im System ARRCO
  • ab 60 Jahren - bzw. in verringerter Höhe ab 55 Jahren - im System AGIRC.

Die Zusatzrente beläuft sich auf 60 % der erworbenen Rechte des Verstorbenen.
Waisen

Im System ARRCO bezieht der Vollwaise eine Zusatzrente, wenn er zum Zeitpunkt des Verscheidens des letzten Elternteils jünger als 21 Jahre ist oder wenn er zum Zeitpunkt des Verscheidens des letzten Elternteils jünger als 25 Jahre und Versorgungsberechtigter des letzten Elternteils ist. Über das Alter von 25 Jahren hinaus wird die Rente gezahlt, wenn das Kind in einem Alter von bis zu 21 Jahren als invalid anerkannt wurde.

Die Rente beträgt für jeden Waisen 50 % der erworbenen Rechte des Verstorbenen.

Im System AGIRC kann der Vollwaise Rente bis zum Alter von 21 Jahren beziehen. Wird er vor dem Alter von 21 Jahren invalid, bezieht er die Rente ohne Altersgrenze.

Die Rente beläuft sich auf 30 % der erworbenen Ansprüche, die die Eltern in dem System AGIRC erworben haben.

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite: http://www.agirc-arrco.fr/