Das französische Sozialversicherungssystem II - Arbeitsunfälle und Berufskrankheiten

2018

Die Leistungen der Arbeitsunfalls- und Berufskrankheitsversicherung werden von den Ortskrankenkassen (CPAM, bzw. CGSS in den französischen Überseegebieten bzw. CRAM in der Pariser Region) zugeteilt.

Begriffsbestimmung

Ein Arbeitsunfall ist ein Unfall der sich "durch die oder angelegentlich der Arbeit" ereignet. Zu den Arbeitsunfällen werden auch die Wegeunfälle gezählt, das heißt Unfälle auf dem Weg von und zur Arbeit und auf dem Weg von und zu der Stätte, wo der Arbeitnehmer üblicherweise seine Mahlzeit zu sich nimmt.

Berufskrankheiten: auch wenn es keine offizielle Definition gibt, werden Berufskrankheiten als die Folge einer mehr oder weniger dauerhaften Belastung durch Risikofaktoren im Berufsleben angesehen. Arbeitnehmer und den Arbeitnehmern gleichgestellte Personen sind ab dem Einstellungsdatum – also ohne Karenzfrist – gegen berufsbedingte Risiken geschützt. Diese Schutz schließt ebenfalls andere Personenkreise (Schüler in technischen Lehreinrichtungen, Lehrling, Praktikanten, Teilnehmer beruflicher Eingliederungsmaßnahmen, arbeitende Häftlinge, usw.) ein.

Formalitäten

Der Verletzte eines Arbeitsunfalls muss den Unfall seinem Arbeitgeber binnen 24 Stunden melden. Der Arbeitgeber muss den Unfall binnen 48 Stunden der Ortskrankenkasse melden und dem Arbeitnehmer einen Unfallschein ausstellen, den dieser seinem Arzt vorlegt, was es ihm erspart, die Behandlungskosten vorzulegen.

Leistungen

Sofort mit dem Unfall (bzw. der Feststellung der Berufskrankheit) beginnt eine Zeitphase vorübergehender (vollständiger oder teilweiser) Arbeitsunfähigkeit. Mit der Heilung der Krankheit oder der Verletzungen endet diese Zeitphase. Die Leistungen der Arbeitsunfallversicherung stehen dem Verletzten zu, ohne dass es irgendwelche Bedingungen bezüglich der vorangehenden Versicherungszeiten oder Tätigkeitsdauer gäbe.

A - LEISTUNGEN BEI VORÜBERGEHENDER ARBEITSUNFÄHIGKEIT

1 - Sachleistungen

Die Sachleistungen der Arbeitsunfallversicherung werden unter den gleichen Bedingungen wie die Sachleistungen der Krankenversicherung gewährt. Es werden jedoch hier die Kosten für ärztliche, chirurgische und medizinische Behandlung zu 100 % übernommen. Bei Krankenhausaufenthalt wird weder die Tagespauschale noch die Pauschale von 18 € für aufwendige Leistungen erhoben.

Durch die direkte Abrechnung mit der Krankenversicherung hat der Verletzte die Behandlungskosten nicht vorzustrecken. Die zuständige Kasse begleicht Ärzte, andere medizinische Leistungserbringer und Krankenanstalten direkt.

2 - Geldleistungen

Tagesgeld

Das Unfalltagegeld muss versteuert werden. Auch müssen davon

  • 05,% als Beitrag zur Abtragung der sozialen Schuld (CRDS) und
  • 6,2 % als allgemeiner Sozialbeitrag (CSG) abgeführt werden.

In jedem Fall darf der Betrag der Entschädigung pro Tag darf nicht höher sein als das Nettoentgelt pro Tag.

Vorübergehende Entschädigung bei Arbeitsuntauglichkeit

Bei Arbeitsuntauglichkeit aufgrund eines Arbeits- oder Wegeunfalls kann der Versicherte, ab dem Ausstelldatum der Arbeitsuntauglichkeitsbescheinigung, für eine Höchstdauer von einem Monat Verletztengeld erhalten, vorausgesetzt er erhält kein Arbeitsentgelt.

Der Betrag ist identisch mit dem Unfalltagesgeld, das er während der Krankschreibungszeit vor der Untauglichkeitserklärung des Arbeitsmediziners bezog. Wenn der Betroffene eine Arbeitsunfähigkeitsrente bezieht, wird der Betrag der vorübergehenden Untauglichkeitsentschädigung von dieser abgezogen.

B - LEISTUNGEN BEI DAUERHAFTER ARBEITSUNFÄHIGKEIT (RENTEN)

Zum Zeitpunkt der Konsolidierung wird der Versicherte durch einem Vertrauensarzt der Krankenversicherung untersucht.

Gegebenenfalls wird aufgrund der bleibenden Schäden ein dauerhafter Grad der Erwerbsunfähigkeit berechnet.

1 - Rente des Verletzten

Bei der Berechnung des Betrags der Rente sind zwei Elemente zu berücksichtigen:

a) Grad der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit

Die Ortskrankenkasse stellt den Grad der tatsächlichen Arbeitsunfähigkeit aufgrund eines Gutachtens, einer offiziellen Berechnungstafel, des Allgemeinzustands, des Alters, der körperlichen und geistigen Fähigkeiten, sowie der Eignung und der beruflichen Kompetenz des Verletzten fest.

Der so bestimmte Satz wird daraufhin berichtigt: Der Anteil bis zu 50 % wird um die Hälfte verringert, wohingegen der Anteil, der 50 % übersteigt, um die Hälfte erhöht wird.

Beispiel

Es wurde ein Grad von 70 % bestimmt, er wird folgendermaßen berichtigt:

  • (50 % : 2) + ( 20 % x 1,5) = 25 % + 30 % = 55 %. Der Satz der Rente beträgt 55 %.

b) Entgelt

Das Mindestjahresentgelt (S), das der Berechnung einer Verletztenrente bei einer Arbeitsunfähigkeit von mindestens 10 % zu Grunde gelegt wird, beläuft sich auf 18.336,64 €. Dies ist der Mindestbetrag der Unfallrente (Stand 1. April 2017).

Bis zu einer Höhe von 2 S (18.336,64 € x 2 = 36.673,28 €) wird das Arbeitsentgelt des Verletzten vollständig berücksichtigt. Der Anteil des Arbeitsentgelts, der den Betrag von 2 S übersteigt, ohne den Betrag von 8 S (= 146.693,16 €) zu übersteigen, wird zu einem Drittel angerechnet.

Was das Arbeitsentgelt um 8 S übersteigt, wird nicht berücksichtigt.

Es werden weder der Allgemeine Sozialbeitrag (CSG), der Beitrag zur Abtragung der Sozialversicherungsschulden (CRDS) noch Einkommenssteuer von der einmaligen Entschädigung erhoben.

c) Drittperson

Beträgt der Grad der dauerhaften Arbeitsunfähigkeit des Verletzten mindestens 80 % und ist er unfähig, allein die Aufgaben des täglichen Lebens zu bewältigen, hat er gegebenenfalls zusätzlich zur Erwerbsunfähigkeitsrente Anrecht auf die Zusatzleistung zur Finanzierung einer Pflegeperson (prestation complémentaire pour le recours à une tierce personne – PCRTP). Die Höhe der Zusatzleistung zur Finanzierung einer Pflegeperson hängt vom Pflegebedürfnis des Verletzten ab. Die Bestimmung des Pflegebedürfnisses durch den Vertrauensarzt der zuständigen Kasse erfolgt anhand einer Liste mit zehn Verrichtungen des täglichen Lebens, zu welchen der Verletzte die Hilfe einer dritten Person benötigt.

Die Leistung kommt mit drei Pauschalbeträgen zur Auszahlung (Stand. 01.04.2017):

2 - Rente für Hinterbliebene

Führt der Unfall oder die Berufskrankheit zum Tode des Opfers, haben folgende Personen Anrecht auf eine Hinterbliebenenrente:

Der Gesamtbetrag der Renten für Hinterbliebene darf nicht mehr als 85 % des Jahresentgeltes ausmachen, aufgrund wessen sie berechnet wurden (gegebenenfalls wird die Höhe einer jeden Verletztenrente gekürzt.)

Weitere Informationen finden sich auf der Webseite über Arbeitsunfälle.