Das französische Sozialversicherungssystem I - Zweig „Krankheit, Mutterschaft, Invalidität und Tod“

2016

A - Krankenversicherung sowie Mutter- und Vaterschaftsversicherung

Krankenversicherung

Die Leistungen der Kranken- und Mutter- bzw. Vaterschaftsversicherung werden von den Ortskrankenkassen (CPAM, bzw. CGSS in den französischen Überseegebieten) zugeteilt.

Der am 1. Januar 2016 eingeführte allgemeine Krankenversicherungsschutz (protection universelle maladie - Puma) garantiert jeder Person die Kostenübernahme der Behandlungskosten (frührer Sachleistungen) die

  • eine Erwerbstätigkeit ausführt,
  • sich seit mindestns 3 Monaten ständig und rechtmässig in Frankreich aufhält (einschliesslich Guadeloupe, Französisch-Guyana, Martinique, Sankt Barth und Sankt Martin).

Vor der Einführung dieses Krankenversicherungsschutzes war der Anspruch auf Übernahme der Gesundheitskosten entweder an die vorherige Abführung von Beitragen in einer bestimmen Höhe oder an die Existenz einer bestimmen Anzahl von innerhalb eines bestimmten Zeitraums geleisteter Arbeitsstunden gebunden.

Mit der Einführung des allgemeinen Versicherungsschutzes protection universelle maladie (Puma) wurde der allgemeine Krankenschutz couverture maladie universelle (CMU) aufgehoben. Dieser 1999 eingeführte Versicherungsschutz richtete sich an den Personenkreis, der ohne jeglichen Versicherungsschutz war.

Um Anrecht auf Geldleistungen (Tagesgeld im Krankheitsfall) zu haben, muss der Versicherte in den letzten 3 Monaten vor der Krankschreibung mindestens 150 Stunden gearbeitet haben (oder in den letzten 6 Monaten Abgaben auf ein Entgelt, das insgesamt mindestens das 1015-fache des Stundenmindestlohns betrug, geleistet haben). Dauert die Krankschreibung mehr als 6 Monate, muss der Versicherte in den letzten 12 Monaten vor der Krankschreibung mindestens 600 Stunden gearbeitet haben, oder Abgaben auf ein Entgelt, das insgesamt mindestens das 2030-fache des Stundenmindestlohns betrug, geleistet haben. Darüber hinaus ist das Anrecht auf Barleistungen an die Bedingung geknüpft, seit mindestens einem Jahr sozialversichert zu sein.

Auch nicht erwerbstätige Personen haben Anspruch auf Übernahme ihrer Behandlungskosten, wenn sie seit mindestens 3 Monaten ständig und rechtmässig in Frankreich (einschliesslich Guadeloupe, Französisch-Guyana, Martinique, Sankt Barth und Sankt Martin) wohnen. Je nach Einkommensniveau, sind sie gegebenenfalls verpflichtet Beiträge zum allgemeinen Krankenversicherungsschutz protection universelle maladie (Puma) zu leisten.

Die Krankenversicherung übernimmt die Kosten der Gesundheitsausgaben (Erstattung von medizinischen Unkosten) an den Versicherten selbst und seine Mitversicherten sowie Geldleistungen (Tagesgelder bei vorübergehender Arbeitsunfähigkeit) an den Versicherten selbst.

1. Gesundheitskosten

Anwendungsgebiet

Die Krankenversicherungskarte "Carte Vitale"

Die Krankenversicherungskarte ist eine Chipkarte, welche den Anspruch auf Leistungen aus der Krankenversicherung bestätigt. Jeder Anspruchsberechtigte über 16 Jahre bekommt eine solche Karte ausgehändigt. Sie beinhaltet für die Krankenversicherung des Patienten zur Erstattung von Behandlungskosten wichtige Verwaltungsdaten. Sie enthält auch Daten, aufgrund welcher gegebenenfalls der Krankenversicherungsanteil der Kosten direkt übernommen werden kann. Somit hat der Patient die Möglichkeit für den Anteil der Kosten, der von der Krankenversicherung übernommen wird und gegebenenfalls auch für den Anteil der von der Zusatzkrankenversicherung übernommen wird, nicht in Vorleistung zu treten Weiterhin besteht die Möglichkeit für Kinder ab dem 12. Lebensjahr auf Antrag der Eltern eine eigene Krankenversicherungskarte zu erhalten.

Zu den Gesundheitskosten gehören Arztkosten und nichtärztliche Behandlungskosten sowie Kosten für Medikamente, prothetische und orthopädische Hilfsmittel und Krankenhausaufenthalte. Anrecht auf Sachleistungen hat der Versicherte selbst sowie seine Mitversicherten, die über keine eigene Versicherung verfügen.

Durch die Einführung am 1. Januar 2016 der universellen Krankenversicherung (protection unverselle maladie – PUMA), fällt der Status des leistungsbechtigten Familienmitglieds für alle volljährigen Personen weg, ob diese nun einer Erwerbstätigkeit nachgehen oder nicht. Nur minderjährige Personen behalten den Status der leistungsberechtigten Person bei, wobei dieser jedoch spätestens zum 30. September des Jahres in dem das 18. Lebensjahr erreicht wird, wegfällt, ob sie nun weiterhin an bestimmten Schulen eingeschrieben sind oder nicht, sowie unter der Bedingung, dass keine Erwerbstätigkeit ausgeführt wird.

Alle Minderjährige über 16 Jahre haben jedoch die Möglichkeit auf eigenen Namen versichert zu sein.

Umfang des Versicherungsschutzes:

a) Behandlungen ohne Krankenhausaufenthalt

Jeder Patient muss ab dem 16. Lebensjahr einen Hausarzt für sich bestimmen, der dann die Überweisung zur weiteren Behandlung übernimmt und die persönliche Krankenakte des Patienten koordiniert. Kinder sind hiervon nicht betroffen. Der Hausarzt kann praktischer Arzt oder auch Facharzt sein, er muss nur bereit sein die Rolle des Hausarztes zu übernehmen. Es besteht die Möglichkeit den Hausarzt zu wechseln, dazu genügt es, eine neue Erklärung ausgefüllt und bei der zuständigen Krankenkasse abgegeben werden.

Der Hausarzt führt die Krankenakte und verschreibt die nötigen Zusatzuntersuchungen oder überweist den Patienten an einen anderen Arzt, eine Krankenhausabteilung oder einen Heilberufler (Krankengymnast, Krankenschwester…). Alle ärztlichen Leistungen, die vom Hausarzt durchgeführt oder verschrieben wurden, werden mit dem normalen Satz zurückerstattet. Man sagt in diesem Fall, dass sich der Patient im koordinierten Gesundheitssystem befindet.

Wenn nun aber der Patient keinen Hausarzt benannt hat oder wenn er direkt einen Facharzt aufsucht, befindet er sich nicht mehr im koordinierten Gesundheitssystem. Die Erstattung der Kosten ist dann niedriger und der Eigenanteil somit höher.

Bei einem Notfall, bei Abwesenheit des Hausarztes oder seiner Vertretung, sowie bei Abwesenheit vom Wohnort, kann der Patient einen anderen Arzt aufsuchen. Gynäkologen, Augenärzte und Psychiater können direkt aufgesucht werden, ohne zuerst beim Hausarzt vorzusprechen. Der jeweils aufgesuchte Arzt notiert auf dem Abrechnungsschein die anwendbare Art des Behandlungsfalls.

Normalerweise muss der Versicherte einen gewissen Anteil der Kosten selber tragen. Dies ist der Selbstbeitrag (ticket modérateur). In gewissen Fällen wird kein Selbstbetrag erhoben, so bei Schwangeren ab dem 6. Schwangerschaftsmonat und bei Kranken, deren Behandlung lange und teuer ist. Die Kosten für eine ärztliche Beratung werden im Rahmen des koordinierten Gesundheitssystems in Höhe von 70 % übernommen.

Der Selbstbeitrag fällt höher aus, wenn der Patient sich nicht im koordinierten System befindet.
Außer dem Selbstbeitrag (ticket modérateur) gehen noch einige andere Leistungen zu Kosten des Patienten. Diese sind: der Pauschalaufwand für aufwendige Leistungen, die 1-Euro-Selbstbeteiligung und die Pauschalbeteiligung bei nichtärztlichen Leistungen.

Pauschalaufwand für aufwendige Leistungen: Bei besonders aufwendigen Leistungen, deren Kosten sich auf 120 € und mehr belaufen, wird dem Patienten eine Selbstbeteiligung in Höhe von 18 € angerechnet. Es handelt sich dabei um von niedergelassenen Ärzten oder medizinischen Einrichtungen erbrachte Leistungen. Bestimmte Leistungen bleiben davon unbetroffen, ebenso Personen, bei denen die Behandlungskosten aufgrund ihres Gesundheitszustands Krankheit zu 100 % übernommen werden.

1-Euro-Selbstbeteiligung: Seit dem 01. Januar 2005 wird eine Selbstbeteiligung von einem Euro pro Arztbesuch bzw. ärztliche Leistung erhoben. Dies gilt auch für Röntgen- und Laboruntersuchungen. Diese Selbstbeteiligung, die pro Tag und pro Arzt oder Labor 4 € nicht übersteigen kann, beschränkt sich auf 50 € im Kalenderjahr.

Pauschalbeteiligung bei nichtärtzlichen medizinischen Leistungen: Seit dem 1. Januar 2008 gibt es auch für vom Fachpersonal des Gesundheitswesens erbrachte Behandlungen (außer in Krankenhäusern), sowie für Medikamente und Krankentransporte einen Selbstbehalt. Dieser Selbstbehalt beläuft sich auf 0,50 € pro Arzneiverpackung sowie für jede vom Fachpersonal des Gesundheitswesens erbrachte Leistung und auf 2 € für jeden Krankentransport. Der Selbstbehalt beschränkt sich auf 50 € pro Person und Jahr für alle Leistungen insgesamt. Pro Tag beschränkt er sich auf 2 € für vom Fachpersonal des Gesundheitswesens erbrachte Leistungen auf 4 € für Krankentransporte.

Von letzteren Maßnahmen sind Personen unter achtzehn, Schwangere ab dem 6. Schwangerschaftsmonat sowie die Pflichtmitglieder des Allgemeinen Zusatzkrankenschutzes (CMU complémentaire) befreit.

Es bestehen Vereinbarungen zwischen den Krankenversicherungsanstalten einerseits und den Ärzten und anderen medizinischen Berufen anderseits, deren Zweck es ist, zu gewährleisten, dass die Versicherten ihre tatsächlichen Unkosten (abzüglich der Selbstbeiträge) erstattet bekommen und die Krankenkassen Honorarforderungen nicht wahllos entgegennehmen müssen.

Die Höhe der Erstattung hängt von der Kategorie des jeweiligen Arztes ab.

  • 1. Gruppe (secteur1): Sie wenden die Vereinbarungen vollständig an und richten sich an die mit der Krankenkasse vereinbarten Vertragstarife.
  • 2. Gruppe (secteur2): Sie legen ihre Honorare frei fest.

Außerdem haben die Ärzte die Möglichkeit, die Kassentarife zu überschreiten, falls der von Ihnen behandelte Patient nicht von seinem Hausarzt überwiesen wurde oder sich nicht im koordinierten Gesundheitssystem befindet.

Medikamente

Medikamente werden auf Verschreibung ausgehändigt. Die Kosten werden nur dann übernommen, wenn es sich um Arzneimittel handelt, die auf der Liste der zur Kostenübernahme berechtigenden Medikamente stehen. Bei gewissen Medikamenten richtet sich die Kostennübernahme pauschal nach den preisgünstigsten Generika. Der Höchst- bzw. Pauschalpreis ist auf der Arzneimittelverpackung angegeben.

Die Kostenübernahme schwankt zwischen 100% und 15 % in Abhängigkeit vom anerkannten medizinischen Nutzen der Medikamente.

Unter der Voraussetzung, dass gegebenenfalls existierende Generika vom Patienten akzeptiert werden, hat der Apotheker die Möglichkeit unter Vorlage der Krankenversicherungskarte die Arzneikosten direkt abzurechnen (tiers payant). Somit hat der Patient ausschließlich den Anteil der Kosten zu zahlen, der von der Krankenversicherung nicht übernommen wird.

b) Krankenhausaufenthalt

Die Sozialversicherung beteiligt sich an den Kosten von Krankenhausaufenthalten der Versicherten und der Mitversicherten.

Dies betrifft sämtliche Leistungen, die vom Krankenhaus erbracht werden: Honorare der Ärzte und Chirurgen für die während des Krankenhausaufenthalts erbrachten Leistungen, Medikamente, Untersuchungen, Eingriffe usw..

Komfortservice, wie Einzelzimmer, Telefon, Fernseher usw., wird von der Krankenversicherung nicht übernommen.

Krankenhauskosten werden bei Krankenhausaufenthalten in öffentlichen sowie in von Krankenkassen genehmigten privaten Krankenhäusern zu 80 % übernommen. Der Versicherte hat die restlichen 20 % der Krankenhauskosten zu übernehmen, plus einen Pauschalbetrag von 18 € pro Krankenhaustag.

In gewissen Fällen und bei bestimmten Versicherten werden ab dem 31. Tag die Kosten zu 100 % übernommen, :

  • bei Schwangeren, die ab dem 4. Schwangerschaftsmonat stationär behandelt werden müssen;
  • bei Krankenhausbehandlung aufgrund eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit;
  • bei Krankenhausbehandlung im Rahmen einer langen und schweren Krankheit
  • Pflichtmitglieder des allgemeinen Zusatzkrankenschutzes (CMU complémentaire) oder der staatlichen ärztlichen Hilfe.

In derartigen Situationen zahlt der Versicherte einen Pauschalbetrag von 18 € pro Krankenhaustag (13,50 € im Falle von psychiatrischen Abteilungen). Die Selbstbeteiligung von 18 € wird im Übrigen bei besonders aufwendigen Leistungen, deren Kosten sich auf mindesten 120 € belaufen, nur einmal pro Krankenhausaufenthalt berechnet, auch wenn mehrere aufwendige Leistungen während des Aufenthalts erbracht werden. Bestimmte Personen können von der Zahlung des einem und/oder der beiden Pauschalbeträge befreit werden (Pflichtmitglieder des Allgemeinen Zusatzkrankenschutzes (CMU complémentaire), Personen, die unter einer schweren und langen Krankheit leiden, die einen Arbeitsunfall erlitten haben oder unter einer Berufskrankheit leiden sowie Schwangere ab dem 6. Schwangerschaftsmonat).

 

Vorsicht: Manche Einrichtungen können höhere Honorare fordern, die nicht von der Krankenkasse übernommen werden. Um Ihnen die Wahl des Krankenhauses zu erleichtern, können Sie sich auf der Webseite « Annuaire santé » über Tarife und übernommene Kosten informieren.

Bei der Aufnahme des Versicherten im Krankenhaus wird ein Antrag auf Kostenübernahme an die zuständige Kasse gesendet. Die Kasse bezahlt direkt an das Krankenhaus und der Versicherte muss nur die von ihm selbst zu leistenden Beiträge an das Krankenhaus zahlen, d.h.: Selbstbeitrag (ticket modérateur), Tagespauschale und Pauschalaufwand für aufwendige Leistungen.

c) Transportkosten

Transportkosten können übernommen werden, wenn eine ärztliche Verordnung vorliegt: Diese ärztliche Verordnung ist zur Kostenerstattung nötig, wenn der Transport:

  • im Rahmen eines Krankenhausaufenthalts stattfindet, egal wie lange dieser dauert;
  • im Rahmen einer schweren und langen Krankheit durchgeführt wird, falls der Vesicherte gesundheitlich nicht imstande sich mit eigenen Mitteln zu bewegen ;
  • im Zusammenhang eines Arbeitsunfalls oder einer Berufskrankheit ausgeführt wird;
  • mit dem Krankenwagen stattfindet, falls dieser aufgrund des Gesundheitszustandes des Patienten liegend durchgeführt werden muss;
  • im Rahmen einer versicherungsrechtlichen Prüfung durchgeführt wird( Prüfung durch den medizinischen Dienst, durch einen medizinischen Gutachter, durch amtlich zugelassenen Fachhandel für medizinische Hilfsmittel).

Der vom Arzt verordnete Transport muss in folgenden Fällen voher vom medizinischen Dienst der Krankenversicherung genehmigt werden, so bei: ,

  • langen Transportwegen, d. h. bei einer Hinfahrt von mehr als 150 km ;
  • häufigen Transporten (mindestens vier Transporte für die gleiche Behandlung innerhalb eines Zeitraums von 2 Monaten bei einer Hinfahrt von mehr als 50 km);
  • Transporten von Kindern und Jugendlichen zu einer Einrichtung der Frühförderung (centre d'action médico-sociale précoce – CAMSP) und zu einem ambulanten medizinisch-psychologisch-pädagogischen Zentrum (centre médico-psycho-pédagogique – CMPP);
  • Transporten mit dem Flugzeug oder Schiff im regelmässigen Flug- bzw. Schiffsverkehr.

Im Allgemeinen werden 65 % der Transportkosten ersetzt. Der Patient muss 35 % der Transportkosten selber tragen. Dazu kommt noch der Selbstbehalt von 2 € für jeden Transport (mit einer Obergrenze von 4 € für alle Transporte pro Tag und 50 € im Jahr).

  • Weitere Auskünfte unter folgender Adresse: site ameli
Zusatzversicherungen

Die Versicherten haben die Möglichkeit, bei privaten Versicherungen, Versorgungsfonds, Versicherungen auf Gegenseitigkeit und ähnlichen Anstalten Zusatzversicherungen abzuschließen, um die Gesundheitsausgaben zu decken, die nicht von der Pflichtversicherung übernommen werden.

Einkommensschwachen Personen kommt kostenfrei ein Allgemeiner Zusatzkrankenschutz (CMU-C) zu, welcher 100% der Kosten deckt.

Personen, deren Einkommen die Höchstgrenze des Allgemeinen Zusatzkrankenschutz leicht übersteigt, kann finanzielle Unterstützung zur teilweisen Übernahme der Kosten durch eine Zusatzkrankenversicherung gewährt werden. Die Höhe dieser Leistung hängt vom Alter des Anspruchsberechtigten ab.

  • Weitere Auskünfte unter folgender Adresse: site améli.

2 - GELDLEISTUNGEN

a) Krankentagegeld

Krankschreibungen müssen ärztlich ausgestellt sein. Anrecht auf Krankentagegeld besteht erst ab dem 4. Tag der Krankschreibung.

Das Tagegeld beträgt die Hälfte des während der letzten 3 Monate erhaltenen Tagesentgeltes, wobei es eine Obergrenze gibt, und zwar werden als Tagesentgelt der drei Monate nicht mehr als 1/91,25 € des 1,8-fachen gesetzlichen Mindestlohns pro Monat angerechnet. Bei Versicherten mit 3 unterhaltspflichtigen Kindern beträgt das Tagegeld ab dem 31. Tag des Krankenhausaufenthalts zwei Drittel des Tagesentgeltes mit einem Höchstbetrag von 1/547,50 € des 1,8-fachen gesetzlichen Jahresmindestlohns. Der Höchstbetrag beläuft sich demnach zum 1. Januar 2016 auf 43,40 € im ersten und 57,86 € im zweiten Fall.

Tagegeld kann bei lang anhaltenden Krankheiten 3 Jahre lang kalendarisch für jede einzelne Krankheit bezahlt werden. Bei sonstigen Krankheiten werden höchstens 360 Tagegelder in einem Zeitraum von 3 Jahren ausgezahlt.

b) Tagesgeld zur Begleitung eines Menschen am Lebensende

Diese Leistung gilt Menschen, die einen solidarischen Familienurlaub genommen haben oder einen solchen in Teilzeitarbeit umgewandelt haben, um sich eines Menschen an dessen Lebensende anzunehmen (Nachfahre, Vorfahre, Bruder oder Schwester, Vertrauensperson).

Wenn der Betroffene seine Tätigkeit vollständig einstellt, wird die Beihilfe für 21 Tage bezahlt und beläuft sich auf 55,15 € pro Tag. Verringert der Betroffene seine Tätigkeit auf Teilzeit, erhöht sich die Höchstzahl der bewilligten Tage auf 42, und der Betrag verringert sich auf die Hälfte (27,58 €). Diese Sätz sind seit dem 01. April 2014 unverändert.

MUTTER- UND VATERSCHAFTSLEISTUNGEN

Mutterschafts- und Vaterschaftsleistungen werden von den Ortskassen der Krankenversicherung (CPAM, bzw. CGSS in den französischen Überseegebieten) erteilt.

Die Leistungen der Mutterschafts- und Vaterschaftsversicherung umfassen die Sachkosten der Schwangerschaft und der Geburt und die Barleistungen des Schwangerschaftsurlaubs vor und nach der Geburt und den Vaterschaftsurlaub, sowie den Adoptionsurlaub der Mutter und/oder des Vaters.

1 - GESUNDHEITSLEISTUNGEN

Anrecht auf die Gesundheitsleistungen hat nicht nur die Versicherte, sondern auch die Ehefrau, die Tochter oder die Stieftochter eines Versicherten.

Die Betroffene muss die Ortskrankenkasse von der Schwangerschaft so schnell wie möglich in Kenntnis setzen und sich vor und nach der Geburt verschiedenen Pflichtuntersuchungen unterziehen.

Der Rechtsanspruch auf die Leistungen unterliegt denselben Bedingungen wie bei den Krankheitsleistungen; der entscheidende Zeitpunkt ist der mutmaßliche Beginn der Schwangerschaft bzw. falls zu diesem Zeitpunkt kein Rechtsanspruch besteht, das Datum des Beginns des Schwangerschaftsurlaubs.

Die Mutterschaftsversicherung deckt zu 100 % die Kosten sämtlicher Pflichtuntersuchungen der Schwangerschaft. Ab dem 1. Tag des 6. Schwangerschaftsmonats bis zum 12. Tag nach der Niederkunft werden außerdem sämtliche medizinischen Kosten zu 100 % übernommen, mit oder ohne Bezug auf die Schwangerschaft. Die Betroffenen sind von der 1-Euro-Selbstbeteilung und vom Selbstbehalt für Medikamente, nichtärztliche medizinische Leistungen und Krankentransporte befreit.

2 - GELDLEISTUNGEN

Voraussetzung für den Erhalt der Geldleistungen ist, dass jegliche entgoltene Tätigkeit eingestellt wird. Neben dem Schwangerschafts- und Mutterschaftsurlaub für Arbeitnehmerinnen zahlt die Krankenkasse auch Vaterschaftsurlaub. Außerdem gibt es das Adoptionsgeld, welches zwischen Vater und Mutter aufgeteilt werden kann. Um diese Leistungen in Anspruch nehmen zu können, muss der oder die Versicherte die allgemein geltenden Voraussetzungen der Krankenversicherung bezüglich Beitragszahlung oder Arbeitsstundenzahl erfüllen und außerdem über 10 Monate Versicherungszeit zum mutmaßlichen Zeitpunkt der Geburt bzw. der Ankunft des Kindes im elterlichen Haus verfügen.

Die Mütter sind gehalten, mindestens 8 Wochen Urlaub zu nehmen, haben aber Anspruch auf 16 Wochen Urlaub (im Prinzip 6 Wochen vor dem vermutlichen Geburtstermin und 10 Wochen anschließend an die Geburt). Bei schwierigen Schwangerschaften können 2 zusätzliche Wochen vor der Geburt gewährt werden. Mit Zustimmung des Arztes, der die Schwangerschaft betreut, kann die Arbeitnehmerin beantragen, den Schwangerschaftsurlaub vor der Geburt zu verkürzen, um den Mutterschaftsurlaub nach der Geburt dementsprechend zu verlängern.

Handelt es sich um das dritte Kind des Haushalts, hat die Mutter Anrecht auf 26 Wochen Urlaub (8 Wochen vor und 18 Wochen nach der Geburt). Bei Zwillingsgeburten verlängert sich der Urlaub vor Geburt auf 12 Wochen, bei Geburten von mehr als zwei Kindern auf 24 Wochen. Der im Anschluss an die Geburt gewährte Mutterschaftsurlaub beträgt bei Geburten von mehr als zwei Kindern 22 Wochen. Bei Frühgeburten von über 6 Wochen vor dem errechneten Termin, wird die Dauer des Mutterschaftsurlaubs um die Anzahl der Tage zwischen der Geburt und den sechs Wochen vor dem errechneten Termin verlängert.

Die Dauer des Vaterschaftsurlaubs beläuft sich auf 11 aufeinander folgende Tage bzw. bei Zwillings- und Mehrfachgeburten auf 18 Tage.

Die Dauer des Adoptionsurlaubs beträgt 10 Wochen, bei Mehrfachadoptionen 22 Wochen. Erhöht sich durch die Adoption die Gesamtzahl der unterhaltsbedürftigen Kinder des Haushalts auf 3, beläuft sich die Dauer des Adoptionsurlaubs auf 18 Wochen. Wenn sowohl dem Vater als auch der Mutter Adoptionsurlaub zukommt und wenn sie die Dauer des Urlaubs unter sich aufteilen, verlängert sich die Urlaubszeit um 11 Tage, bzw. bei Mehrfachadoptionen um 18 Tage.

Die Höhe der Mutterschafts- Vaterschafts- und Adoptionsleistungen beläuft sich auf das durchschnittlich in den letzten drei Monaten vor dem Mutterschaftsurlaub erhaltene Entgelt welches jedoch die pro Quartal festgesetzte Höchstgrenze des Sozialversicherungssatzes nicht überschreiten kann (9.654 € im Jahr 2016). Von diesem Bruttoentgelt werden Sozialversicherungs- und andere gesetzliche und tarifliche Arbeiternehmerabgaben abgezogen (Pauschalsatz von 21%). Seit dem 1. Januar 2016 kann das Tagesgeld den Satz von 1/365 der Mindesthöhe einer Invaliditätspension nicht unterschreiten (9,26 %) und den Betrag von 83,58€ nicht überschreiten.

B - INVALIDITÄTSVERSICHERUNG

Zahlstelle :

Invaliditätsrenten werden von folgendenen Stellen anerkannt:

  • von den örtlichen Krankenkasse - CPAM
  • in der überregionalen Krankenkasse der Region Ile de France – CRAMIF
  • von den allgemeinen Sozialversicherungskassen (der Überseedepartements)
  • der Sozialversicherungskasse in Mayotte

1. Invaliditätsrente

Die Invaliditätsversicherung ist eine Erweiterung der Krankenversicherung. Dem invaliden Versicherten wird eine Rente zum Ausgleich des Arbeitsentgeltverlustes, der ihm durch die Minderung seiner Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit entsteht, gewährt.
Eine Invaliditätsrente erhalten Sozialversicherte aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit privater Art, die nicht mehr erwerbsfähig sind und die

  • noch nicht das gesetzliche Ruhestandsalter erreicht haben (zwischen 60 und 62 Jahre je nach Geburtsjahrgang);
  • nicht in der Lage sind, in einem beliebigen Beruf ein Arbeitsentgelt zu erzielen, das mehr als 1/3 des üblichen Verdienstes in dem Beruf, den sie vor der Krankschreibung oder vor der Feststellung ihrer Invalidität ausübten, ausmacht;
  • zu Beginn der Arbeitsunterbrechnung gefolgt von der Erwerbsminderung, mindestens 12 Monate angemeldet waren und entweder mindestens 600 Stunden* gearbeitet haben oder von einem Entgelt, das mindestens dem 2,030-fachen Satz des gesetzlichen Stundenmindestlohnes entspricht; Sozialabgaben geleistet haben

* 800 Stunden, wenn der Zeitpunkt der Arbeitsunterbrechung bzw. der Feststellung der Invaliditët vor dem 1. Februar 2015 liegt.

Rentenbestimmung

Je nach Ausmaß der verbleibenden Arbeitsfähigkeit wird zwischen 3 Gruppen von Invaliditätsrenten unterschieden:

  • Zur ersten Gruppe gehören Invalide, die noch in der Lage sind einer beruflichen Tätigkeit nachzugehen. Die Rente wird in diesem Fall folgendermaßen berechnet: Mittleres Jahresentgelt* x 30 %. Der monatliche Höchstbetrag beläuft sich auf 30 % der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung ( 965,36 €).
  • Zur zweiten Gruppe gehören Invalide, die keine berufliche Tätigkeit mehr ausüben können. Die Berechnungsweise ist dieselbe wie bei der ersten Gruppe mit der Ausnahme, dass der aus dem mittleren Jahresentgelt* anzuwendene Satz ein anderer ist . Der monatliche Höchstbetrag beläuft sich auf 50 % der Beitragsbemessungsgrenze der Sozialversicherung* (1.609 €).
  • Die dritte Gruppe umfasst Invaliden der 2. Gruppe, die darüber hinaus auf die Hilfe Dritter bei der Erfüllung der Aufgaben des täglichen Lebens angewiesen sind. Für die Invaliden der 3. Gruppe wird die Rente jährlich zum 1. April um 40 % erhöht. Der Jahreshöchstbetrag der Invaliditätsrente der 3. Kategorie beträgt 2.712,08 € (1.609 €+ 1.103,08 €).

* Das mittlere Jahresentgelt entpricht den Entgelten, welche während der 10 besten Verdienstjahre auf das Rentenversicherungskonto des Versicherten übertragen und zum Zeitpunkt des Rentenbeginns aufgewertet und durch 10 geteilt wurden (falls 10 Jahre vorliegen).

Mindestbetrag: In keinem Fall darf die Invaliditätsrente - gleich welcher Gruppe - niedriger als ein bestimmter Mindestbetrag sein, der sich auf 281,66 € im Monat beläuft.

Der Anspruch auf eine Invaliditätsrente kann jederzeit aufgrund der veränderten Lebenssituation des Versicherten (veränderter Gesundheitszustand, der zu einer Änderung der Einstufung geführt hat, Wiederaufnahme einer Erwerbstätigkeit) neu berechnet oder aufgehoben werden.

Invaliditätsrentner und ihre Mitversicherten haben Anrecht auf die Sachleistungen der Kranken- und Mutterschaftsversicherung, wobei der Invaliditätsrentner selbst keinen Selbstbeitrag zahlen muss. [Der Selbstbeitrag (Ticket modérateur), den der Versicherte normalerweise bei seinen Behandlungskosten selber bezahlen muss, ist ein Element zur Steuerung des Rückgriffs der Bevölkerung auf medizinische Behandlungen.] Sie müssen jedoch die pauschalen Eigenbeteiligungen für ärztliche oder vom Fachpersonal des Gesundheitswesen erbrachte Leistung, Arzneimittel und Krankentransporte begleichen, wobei die 18 € für aufwendigen Leistungen nicht zu leisten sind.

Wenn der Betroffene keine berufliche Tätigkeit ausübt, wird die Invaliditätsrente bei Eintritt des gesetzlichen Ruhestandsalters (zwischen 60 und 62 Jahre je nach Geburtsjahr) automatisch in eine Ruhestandsrente umgewandelt. Wer er eine berufliche Tätigkeit ausübt, muss er dahingegen seine Ruhestandsrente beantragen. Die Zahlung der Invaliditätsrente wird automatisch spätestens dann eingestellt, wenn er das Alter, das zum Erhalt der Rente zum vollen Satz berechtigt, erreicht hat, unabhängig von der Versicherungszeit (zwischen 65 und 67 Jahre), bzw. vor diesem Alter, wenn er seine berufliche Tätigkeit einstellt.

2 - Witwen-/Witwer-Invaliditätsrente

Die Witwen-/Witwer-Invaliditätsrente kommt Invaliden zu, deren verstorbener Ehepartner oder Ehepartnerin eine Invaliditätsrente oder eine Altersrente bezog oder hätte beziehen können. Sie wird von den Ortskrankenkassen (CPAM, bzw. CGSS in den französischen Überseegebieten bzw. CRAM in der Pariser Region) geleistet.
Um Anrecht auf diese Rente zu haben, muss der hinterbliebene Ehepartner jünger als 55 Jahre und dauerhaft invalid mit einer Einschränkung der Arbeits- bzw. Erwerbsfähigkeit um 2/3 sein.

Die Witwen-/Witwer-Invaliditätsrente beläuft sich auf 54 % des Betrags der Rente, die der Verstorbene bezog oder hätte beziehen können.

Berechtigte mit mindestens 3 zu versorgenden Kindern erhalten eine 10 prozentige der Leistung.

Weitere Information finden sich auf folgender Webseite: http://www.ameli.fr

C - STERBEGELDVERSICHERUNG

Das Sterbegeld wird den Verwandten eines verstorbenen Versicherten von der Ortskrankenkasse ausgezahlt. Es wird von den Ortskrankenkassen (CPAM, bzw. CGSS in den französischen Überseegebieten) geleistet.

Das Sterbegeld steht vorrangig denjenigen zu, die zum Zeitpunkt des Todes tatsächlich, vollständig und durchgehend vom Versicherten unterhalten wurden. Trifft dies auf mehrere Personen zu, gilt folgende Rangfolge:

  • nicht gerichtlich oder tatsächlich getrennt lebender Ehepartner oder
  • Partner eines zivilen Solidaritätspakts (offizielle Lebensgemeinschaft)
  • ehelich, uneheliche, adoptierte und oder aufgenommene Kinder
  • Verwandte in aufsteigender Linie.

Das Sterbegeld setzt voraus, dass der Versicherte in den letzten 3 Monaten vor seinem Tod eine der folgenden Voraussetzungen erfüllte:

  • eine Lohntätigkeit ausgeübt hatte,
  • weiter fortlaufende Versicherungsrechte hatte,
  • eine Tätigkeit ausübte, die mit einer Lohntätigkeit vergleichbar ist,
  • eine Invaliditätsrente bezog,
  • eine Arbeitsunfallrente von über 66,66 % bezog.

Im nach dem 31.12.2014 eintretenden Sterbefall entspricht das Sterbegeld einem Pauschalbetrag der jährlich angepasst wird. Ab dem 01. Januar 2016 beträgt dieser 3.400 €.

Das Sterbegeld darf nicht weniger als 1% der Jahresbemessungsgrenze der Sozialversicherung betragen, d.h. 375,48 € zum 1. Januar 2014.

Weitere Information finden sich auf der Webseite: http://www.ameli.fr/