Das französische Sozialversicherungssystem Einführung

2018

Hier werden nur das allgemeine Versicherungssystem, sowie die Arbeitslosenversicherung und die Zusatzrentenversicherungen für alle Arbeitnehmer des privaten Sektors behandelt.

Struktur

Das allgemeine Versicherungssystem gliedert sich in örtliche, regionale und nationale Organe der verschiedenen Versicherungsbereiche, die paritätisch verwaltet werden und unter der Aufsicht der zuständigen Ministerien stehen (Ministerium für Solidarität, Gesundheit, sowie Ministerium für Wirtschaft und Finanzen).

Finanzierung

Das allgemeine Sozialversicherungssystem wird zu ungefähr 80 % durch einkommensabhängige Beiträge und Abgaben finanziert. (Siehe Tabelle der Beitragssätze)

Quelle : Les chiffres clés de la sécurité sociale 2016 (p.7)

Die Beitragssätze werden auf gesamtstaatlicher Ebene festgelegt. Sie werden teils von den Arbeitnehmern, teils von den Arbeitgebern getragen.

Bei den zweckgebundenen Steuern und Abgaben (impôts et taxes affectés – ITAF) handelt es sich um Pflichtabgaben, welche ausdrücklich zur Finanzierung der sozialen Sicherheit dienen, darunter auch der allgemeine Sozialbeitrag (CSG) der mehr als die Hälfte der zweckgebundenen Steuern ausmacht. Arbeitslosen- und Krankengeld sind davon nicht betroffen.

Das für 2018 verabschiedete Gesetz zur Finanzierung der Sozialen Sicherheit sieht einen Anstieg dieses Beitragssatzes in Höhe von 1,7 Punkten bei Erwerbseinkommen, Renten, Einkommen aus Vermögen und Kapitalanlagen vor.

Der Allgemeine Sozialbeitrag (CSG) und der Beitrag zur Abtragung der Sozialversicherungsschulden (CRDS) werden auf Einkommen aus beruflicher Tätigkeit, auf Ersatzeinkommen, auf Einkommen aus Vermögen und aus Geldanlagen sowie auf Lotteriegewinne erhoben. Jeder, der seinen Steuersitz in Frankreich hat und in irgendeiner Form von einer französischen Pflichtkrankenkasse betreut wird, ist zur Abgabe des Beitrags zur Abtragung der Sozialversicherungsschulden in Höhe von 0,5 % (CRDS) und des Allgemeinen Sozialbeitrags (CSG) in folgender Höhe verpflichtet:

  • 9,2 % auf Erwerbseinkommen
  • 6,2 % für Ersatzeinkommen (Krankengeld, Arbeitslosengeld).

Rentner, die eine französische Rente beziehen, sind - abhängig von ihrem zu versteuernden Einkommen - gegebenenfalls verpflichtet den allgemeinen Sozialbeitrag (CSG), den Beitrag zur Abtragung der Sozialversicherungsschulden (CRDS) und dem Solidaritätsbeitrag für Pflegebedürftige (CASA: contribution de solidarité pour l'autonomie) abzuführen.

Zu versteuerndes Einkommen 2016
und Steuerbescheid 2017
(ohne Berücksichtigung
eines Familienquotienten)
Abschöpfungssatz
bis zu einem Betrag von 11.018,00 EURO keine Abgaben
von 11.019 EURO bis 14.403,00 EURO CSG : 3,8%
CRDS : 0,5%
ab 14.404,00 EURO CSG : 8,3%
CRDS : 0,5%
CASA : 0,3%

Weiterhin wird von den Pflichtzusatzrenten sowie freiwilligen Zusatzrenten eine Vorausabgabe von 1 % zugunsten der Krankenversicherung erhoben.

Personen, die im französischen Krankenversicherungssystem versicherungspflichtig sind, aber ihren Steuersitz nicht in Frankreich haben, zahlen trotzdem einen Krankenversicherungsbeitrag in Höhe von 5,5 %1 der Erwerbseinkommen.

Was Rentner anbelangt, die ihren Steuersitz nicht in Frankreich haben, aber im französischen Krankenversicherungssystem versicherungspflichtig sind, so wird von deren aus dem allgemeinen Versicherungssystem bezogene Grundrente ein Satz von 3,2 % und von ihrer Pflicht- oder freiwilligen Zusatzrente ein Satz von 4,2 % abgezogen.

1 – Personen, ohne Wohnsitz in Frankreich, sind von der durch das Finanzierungsgesetz der Sozialversicherung für das Jahr 2018 durchgesetzten Aufhebung des Krankenversicherungsbeitrags der Arbeitnehmer nicht betroffen.

Aufgabenbereich

Das allgemeine Sozialversicherungssystem schützt Arbeitnehmer im privaten Wirtschaftssektor in den Bereichen Industrie, Handel und Dienstleistungen.

Es gliedert sich in fünf Versicherungszweige:

Unter zwei Bedingungen gehört ein Versicherter dem allgemeinen System als Pflichtmitglied an :

  • wenn er ein Entgelt erhält in welcher Form auch immer ,welches dazu führt, dass Sozialversicherungsabgaben geleistet werden ,
  • bei Bestehen eines Abhängigkeitsverhältnisses zwischen dem Arbeitnehmer und einem bzw. mehreren Arbeitgebern.

Außerdem gibt es die Arbeitslosenversicherung, welche alle Arbeitnehmer des allgemeinen und des landwirtschaftlichen Sozialversicherungssystems umfasst.

Stellt ein Arbeitgeber in Frankreich einen Arbeitnehmer ein, muss er dies unverzüglich der für die Erhebung der Sozialabgaben zuständigen Stelle (URSSAF) seiner Gemeinde melden. Damit kann der Arbeitnehmer bei der Sozialversicherung (sofern er noch keine Sozialversicherungsnummer hat) und bei der Arbeitslosenversicherung eingeschrieben werden. Was die Zusatzrentenversicherung anbelangt, so wird der Arbeitnehmer bei derjenigen Anstalt eingeschrieben, zu der sein Arbeitgeber aufgrund seiner Branche und seinem Niederlassungsort gehört.

Sozialbeiträge und –abgaben werden von den Unionen für die Beitreibung der Beiträge zur sozialen Absicherung und zu den Familienbeihilfen (URSSAF) eingezogen. Sie dienen dazu die Kosten für ärztliche Behandlung, Tagegelder im Krankheitsfall, Mutterschaftsfall oder im Rahmen von Arbeitsunfällen sowie Grundrenten und Familienbeihilfen des allgemeinen Sozialversicherungssystems zu finanzieren.

Informationen zur Erhebung von Sozialabgaben finden sich auf der Webseite der ACOSS.

Für ausländische Arbeitgeber mit Hauptsitz im Ausland, ohne Niederlassung in Frankreich, die einen Mitarbeiter in Frankreich einstellen, ist der allein zuständige Ansprechpartner zur Anmeldung und Zahlung von französischen Sozialversicherungsbeiträgen für diesen Mitarbeiter die

Der für Zusatzrenten zuständige Träger ist:

  • Humanis
    CRE-Ircafex
    21 rue Roger Salengro
    94137 Fontenay sous Bois Cedex
    Tél. : + 33 (0)1 58 82 72 12
    email: international@humanis.com
    humanis.com

Weitere Informationen für Firmen, die nicht in Frankreich niedergelassen sind.